...oder auch: Wer hat das längere Rohr  

Immer wieder heiß diskutiert: Das Thema Wettbewerbsfotografie.

Es ist nun mal wie in allen anderen Verbänden und Vereinen auch. Ob nun der größte Rammler bei den Karnickelzüchtern, der schnellste Läufer im Sportverein oder das geilste Foto im Fotoclub… es ist Kräftemessen angesagt.

Wer hat das schönste, originellste oder technisch perfekteste Bild zu bieten ? Um dieser Frage auf den Grund zu gehen werden jedes Jahr zahlreiche Fotowettbewerbe und Meisterschaften organisiert, bei denen sich der Fotograf so richtig einen beweisen kann. Gut, nun kann man das Rad nicht neu erfinden. So ergibt es sich, dass zahlreiche Motive immer und immer wieder auf den Tisch kommen. Von links unten, rechts oben oder durch die Mitte durch fotografiert – jeder versucht zu zeigen, dass seine Perspektive die gekonnteste Sichtweise und seine meisterliche Bearbeitung durch nichts zu toppen ist.

Dass da nicht jeder mithalten kann und dieses Spiel seltsame Blüten treibt liegt augenscheinlich auf der Hand. Nach lediglich zwei Jahren Erfahrung in Sachen Wettbewerbsfotografie habe ich deshalb entschieden, mich in Sachen Medaillenjagd etwas zurückzunehmen.

„Ja aber warum denn … du warst doch so erfolgreich …. ?“

Ein Satz, den ich dann immer wieder zu beantworten habe. Ja, ich habe sehr viel gesehen, gelernt und durfte auch die ein oder andere Medaille einheimsen. Anfangs wollte ich wissen ob ich da mithalten kann – am Ende hatte ich zu oft einen faden Nachgeschmack.

Natürlich freue ich mich noch heute über meinen „Saarlandmeistertitel“, den ich mir 2017 erkämpft habe. Aber was kam danach ?

Danach kam es so, dass sich einige Fotografen von mir abgewendet haben. Unter anderem weil ich diesen Titel mit dem Sieg meiner Composings (mit Photoshop manipulierte Fotomontagen) errungen habe. Ich hatte ja vor Kurzem einen Blog zum Thema verfasst. Für viele gehören Fotomontagen eben nicht ins Reich der Fotografie und einige hätten meine Arbeiten am liebsten nachträglich disqualifiziert gesehen. Fotografien hingegen die eindeutig auf professionell organisierten Workshops entstanden sind werden wohlwollend durchgewunken obwohl dies für mich keine Eigenleistung darstellt. Hier drängt sich mir der Disqualifizierungsgedanke viel eher auf.

Nun gut … ich habe also versucht mich für diese Wettbewerbe etwas anders aufzustellen. Um den Anfeindungen wegen der Composinggeschichte aus dem Weg zu gehen wollte ich nun reine Fotografien zur Schau stellen. Doch wohin führte das ? Auf einmal habe ich mich dabei ertappt, wie ich in Luxemburg komplett planlos über das Pflaster schlurfe, um diese eine herausragend andersartige Architektur zu finden, die allen anderen den Atem stocken lassen wird – im Sinne der Medaillenproduktion natürlich. Gefunden habe ich sie natürlich nicht  

Typisches Wettbewerbsfoto

Ganz ehrlich: Geht gar nicht  !

Abgesehen davon, dass es WEITAUS bessere Architekturfotografen gibt als mich, habe ich darauf eigentlich auch gar keine Lust. Ursprünglich komme ich aus der Ecke Natur- und Tierfotografie und da gehöre ich auch hin (wenn ich nicht gerade ein Composing bastle). Als ich ein paar gestandenen Fotografen von meinen Gedankengängen erzählte, hörte ich: „Ja was willste denn jetzt machen ? Vögelchen und Blümchen im Garten knipsen ? Das interessiert doch keine Sau …“

Ich überlege kurz und …. hmmmmmm ….. ja, das ist wohl wahr.

Sehen wir einmal davon ab, dass ich mit der Fotografie und Bildbearbeitung den ein oder anderen Groschen dazuverdiene, dann ist sie doch eigentlich immer noch meine Muse geblieben – glücklicherweise ! Die möchte ich mir auch verdammt nochmal nicht damit versauen, dass ich nun anfange irgendwelche Dinge zu „produzieren“ in denen ich mich nicht im Geringsten wiederfinden kann.

Ich reflektiere: Was ist derzeit in Wettbewerben am angesagtesten ? Ein kurzes Brainstorming führt zu folgendem Ergebnis:

  • weißer Raum mit weißer Treppe und weißer Wand die um die Ecke geht
    (idealerweise huscht hier noch eine verwischte Gespenstergestalt vorbei)
  • Frau mit Vogelnest, Trockenblumengesteck, Mehl, Blattgold oder ähnlichem auf dem Kopf und um den Kopf herum
    (vornehmlich auf Workshops entstandene Fotografien)
  • schwarz/weiß Spielereien mit und ohne Schatten, Linien, Formen, Strukturen
  • Architekturaufnahmen auf höchsten Niveau, immer wieder die gleichen U-Bahn Bilder, Rolltreppen, Bibliotheken und Lost Places bis zum Abwinken
  • Fotos für Fotografen
    (so nennt mein Mann alle Bilder, die an sich einfach total langweilig sind – aber  scheinbar als besonders anspruchsvoll angesehen werden)
  • Composings
    (die immer wieder scharf von reinen Fotografen verurteilt werden)
  • Manchmal Sportaufnahmen

    Hätte wohl eher keine Chance

Sicher finden sich auch Natur- und Tierfotografien unter den Siegern, aber manchmal habe ich den Eindruck dies dient lediglich der Quote. So richtig vom Hocker reißt man hiermit keinen. Ich denke gute Chancen haben hier vor allem die Fotografen, die geführte Fotoreisen zu tollen Orten antreten. Vom Reiseführer an den richtigen Hot Spot gestellt und ein wenig Glück mit dem Licht ….. ZACK … hat man ein geiles Bild. Übrigens eine Sache die ich nicht verurteile – wohl dem der kann 🙂 Da ich jedoch (hauptsächlich durch meine unüberwindbare Flugangst) dazu gezwungen bin hierzulande zu verweilen, bin ich da einfach raus.

Bleibt also nicht allzuviel übrig. Meine Blümchen-, Hunde- oder Rapsfeldfotografien werden auf diesen Wettkämpfen niemals die Anerkennung finden, die ich mit meinen Fotomanipulationen erzielen konnte. Letztendlich sind das aber DIE Bilder, für die sich andere interessieren. Ja, es sind die Bilder, die man sich ins Wohnzimmer oder meinetwegen auch ins Gästeklo hängt.

Hier sind wir auch schon wieder beim besten Rammler im Kaninchenzuchtverein. Mag sein, dass dieses Tier den perfekten Körperbau, die tollsten Augen und das geilste Gebiss mit den schärfsten Beißerchen hat. Wenn ich aber meiner Tochter ein Schmusekaninchen zum Liebhaben kaufen will, sind das alles extrem unwichtige Kriterien. Sie wird sich in jedem Fall für das Kaninchen entscheiden, welches am liebsten guckt und ihr einfach am besten gefällt – auch wenn die Löffel bis auf den Boden hängen.

So sind es vielleicht gerade die wettbewerbsuntauglichen Bilder die ich unters Volk mischen kann, die meiner Mutter gefallen, dem Nachbarn und auch die, die mir den ein oder anderen Auftrag bescheren.

Vor allem aber sind es jene Bilder, bei denen ich mit Leib und Seele dabei bin. Bilder für deren Erstellung ich mit Fotofreunden zusammen auf Tour war und viel Spaß dabei hatte. Menschen, mit denen ich immer wieder gerne rausgehe, weil der Eine dem Anderen sein tolles Foto gönnt. Hier geht es nicht darum wer das bessere Bild im Kasten hat – hier geht es um ein gemeinsames gelebtes Hobby, die schöne Zeit die man zusammen verbringt und die wertvollen Tipps und Anregungen die man sich durchaus gerne gibt. Völlig fremd ist hier der Gedanke jemanden nicht über einen tollen Event zu informieren, könnte er doch das bessere Bild am Ende haben …. wahrhaft ein Schreckgespenst für so manch anderen.

Um mir also treu bleiben zu können und mir den Spaß am Fotografieren nicht selbst zu verderben nehme ich mich zurück. Dieses Jahr werde ich vornehmlich in der Natur anzutreffen sein. Ich freue mich auf bunte Orchideenwiesen und auch darauf, irgendwelchem Kleingetier im Dickicht der heimischen Wälder hinterherzujagen. Ich freue mich auf vorwitzige Vierbeiner, den ein oder anderen Sternenhimmel und weite Mohnfelder. Sollte ich mal keine Lust haben, werde ich mich einfach ins Gras legen und in den Himmel schauen.

Wie geil ist das denn ?

Und nebenbei mache ich noch bei ein paar Fotowettbewerben mit …wenn ich will …. und zufällig ein geeignetes Bild dafür habe

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DS-pektiven
Gast

Kann da Peter Bauer nur zustimmen. Es freut mich für dich, dass du dein Ding durchziehst – und damit auch Erfolg hast. Ich fand es schon immer traurig, wenn Leute nicht in erster Linie das machen, was sie interessiert oder was ihnen Freude bereitet. Sondern sich nur daran orientieren, wie sie möglichst viel Geld verdienen oder Preise einheimsen können. Deshalb vermisst man bei denen meist auch jede persönliche Note…

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Bettina Dittmann
Gast
Bettina Dittmann

Wobei hier die Frage ist: Wann hat man eigentlich Erfolg ? Es ist ja nicht so, dass ich eine bekannte Größe im Fotogeschäft wäre, die sich die Taschen vollschaufelt 😉
Aber mein Ding mache ich natürlich trotzdem – da hast du Recht. Wenn andere darin eine persönliche Note sehen; umso besser. Selbst kann man das schwer beurteilen. Sollten meine Fotografien aber einen gewissen Wiedererkennungswert haben freut mich das sehr !

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Peter Bauer
Gast
Peter Bauer

Du sprichst mir aus der Seele Bettina. Wohl dem, der die Freiheit und den Mut hat, das zu tun was ihm gefaällt und nicht das was andere erwarten!

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