Gesunde Knabbereien aus Gemüse

Immer mehr Tierfreunde entscheiden sich dafür die Knabbereien für ihre pelzigen Mitbewohner selbst herzustellen. Selbstgetrocknetes Gemüse ist knackig, gesund und kostet nur ein Bruchteil dessen, was du im Zoofachgeschäft für Gemüsesnacks hinlegen musst. Zudem ist die Herstellung supereinfach. Alles was du zum Dörren brauchst ist Sonne oder einen Backofen. Im Idealfall besitzt du einen Dörrautomaten, der deine Knabbereien im Handumdrehen und fast von alleine herstellt.   

Wer im Zoofachgeschäft getrocknete Biosnacks für seinen Vierbeiner kaufen will, muss häufig tief ins Portemonnaie greifen. Die kleinen Tütchen sind unverhältnismäßig teuer und nicht selten kamen mir nach dem Öffnen schon die ersten Lebensmittelmotten entgegen. Das hat mich bei den Preisen natürlich doppelt geärgert. Das alles geht in Eigenherstellung natürlich viel besser und günstiger, selbst wenn du keinen eigenen Garten hast in dem du Gemüse und Früchte anbauen kannst. Bestimmt bleibt beim Kochen öfter mal was übrig was sonst auf dem Komposter oder im Biomüll landen würde. Ich habe zudem das Glück, dass mir Nachbarn Überschüsse ihrer Ernte vorbeibringen. Bei Hobbygärtnern fallen immer mal wieder Zucchini, Karotten, Trauben oder auch Äpfel an. Die meisten wissen selbst nicht wohin mit den Mengen und verteilen sie im Bekanntenkreis.  

Zuchini, Karotten und Champignons

Trocknen oder Dörren ?

Ob du dich für das Trocknen oder das Dörren entscheidest bleibt dir überlassen. Das Ergebnis ist gleich, lediglich die Trockenzeiten unterscheiden sich. Lufttrocknen ist komplett kostenlos, aber meist nur im Sommer sinnvoll umzusetzen. Ein guter Dörrautomat ist nicht günstig, bringt aber die Möglichkeit mit sich das ganze Jahr über zu trocknen. Bei allen Möglichkeiten ist das Prinzip stets gleich: Lebensmitteln wird durch Wärme und Luftzirkulation soviel Feuchtigkeit entzogen, dass sich Mirkoorganismen, welche die Lebensmittel verderben lassen, nicht mehr schnell vermehren können. Dadurch wird das Dörrgut konserviert und bleibt länger haltbar. 

Ob der Vorgang nun Dörren oder Trocknen genannt wird, hängt in erster Linie von der Wärme ab, mit der den Lebensmitteln das Wasser entzogen wird. Bei Temperaturen unter 42°C spricht man von „trocknen“, bei darüberliegenden Temperaturen von „dörren“. Um Rohkostqualität zu erreichen und damit so viele Vitamine wie möglich zu erhalten, trocknet man die Lebensmittel bei maximal 47°C. Während Mineralstoffe bei der Konservierung erhalten bleiben, gehen licht- und wärmeempfindliche Vitamine teilweise verloren. Besonders davon betroffen sind Vitamin C & die B-Vitamine. Je nach gewählter Hitze können hier Einbußen von 10-50% verzeichnet werden.

Karotten, Zucchini, Champignons und Sellerie

Zubereitung

Lufttrocknen

Der Trockenvorgang dauert mehrere Tage, ist dafür aber umweltschonend und kostengünstig

Backofen

Funktioniert oft nur mit älteren Modellen, da bei mordernen Geräten die Tür nicht offengelasssen werden kann

Dörrautomat

Schnell und im Gegensatz zum Backofen energiesparend. Gleichmäßige Trocknung mit sehr guten Ergebnissen

Trockenzeit:

Die Trockenzeiten unterscheiden sich je nach gewählter Methode und Temperatur deutlich. Mit Abstand am meisten Zeit benötigt der Trockenvorgang an der frischen Luft. Hier spielen viele verschiedene Faktoren zusammen:

Für ein optimales Ergebnis werden Gemüse- oder Obstscheiben aufgefädelt und an einem luftigen, schattigen Platz aufgehängt. Das Trocknen in der Sommersonne geht zwar schneller, kostet aber ein paar Vitamine. Mit Netzen oder Sieben kann das Trockengut vor Wespen, Vögeln und lästigen Fliegen geschützt werden. Auch bei hochsommerlichen Temperaturen dauert es gute 3-4 Tage, bis die Lebensmittel durchgetrocknet sind.

Schneller geht es da schon im Backofen. Idealerweise verfügt dieser über eine Umluftfunktion, damit sich die Wärme gleichmäßig im Ofeninnernen verteilen kann. Ferner ist eine digitale Temperaturanzeige von Vorteil, wenn man genau arbeiten will.  Üblicherweise funktioniert das Dörren allerdings nur mit älteren Ofenmodellen, die den Betrieb mit leicht offener Backofentür zulassen. Dies ist nötig, damit die  Feuchtigkeit entweichen kann. Mein Ofen verweigert mir an dieser Stelle leider den Dienst. 

Getrocknet wird im Ofen auf mit Backpapier ausgelegten Blechen oder Gitterrosten. Wer allerdings regelmäßig seine Knabberreien selbst herstellen möchte, sollte sich wegen des hohen Energieverbrauchs lieber einen Dörrautomaten anschaffen. Der ist zwar in der Anschaffung etwas teurer, verspricht aber eine schockfreie Stromrechnung am Jahresende. 

Bei Dörrgeräten lassen sich die Temperaturen und Trockenzeiten exakt festlegen, was ich für eine wahnsinnige Arbeitserleichterung halte. Zudem schalten sie sich die Geräte nach Ende der Dörrzeit automatisch ab und können so auch unbeaufsichtigt (z.B. in der Nacht) durchlaufen. Besonders praktisch sind Modelle mit mehreren Einschüben. Da sämtliche Lebensmittel beim Trocknen stark an Größe und Gewicht verlieren, wäre mir die Ausbeute bei kleinen Geräten einfach zu mager. Ich nenne ein Edelstahlgerät mit 6 Einschüben mein eigen, hätte aber gegen 4 Schubfächer mehr auch nichts einzuwenden. Hier ist es ratsam nicht am falschen Ende zu sparen.

 

Gemischte Gemüsechips für meinen Hamster

Egal, wie du dich auch entscheidest – folgende Tabelle soll dir helfen die richtigen Dörr- bzw. Trockenzeiten für deine Methode zu finden. Sämtliche Angaben sind Richtwerte, denn wie immer beeinflusst die Scheibendicke deines Dörrgutes die notwendige Trockenzeit maßgeblich.

Die von mir empfohlenen Trockenzeiten beziehen sich auf die Herstellung von Knabberartikeln für Haustiere. Das heißt, sie sind richtig cross am Ende der Dörrzeit. Wenn du Lebensmittel für den menschlichen Verzehr herstellen möchtest, dann kannst du die Zeiten etwas kürzer wählen. Das Gemüse wird dann nicht so spröde und lässt sich leichter wieder weiterverarbeiten.

Knabberspaß für Vierbeiner

Die Haltbarkeit beträgt bei sachgemäßer Lagerung etwa ein Jahr.

Dörrzeiten

Brokkoli

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
8 h bei 70°C
Backofen 120°C etwa 40-50 Minuten

Gurken

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
6-8 h bei 60°C
Backofen 120°C etwa 40-50 Minuten

Karotten

hobeln oder raspeln

Dörrautomat
4-6 h bei 60°C
Backofen 120°C etwa 40-50 Minuten

Kürbis

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
8 h bei 70°C
Backofen 120°C etwa 1 Stunde

Kohlrabi

hobeln oder raspeln

Dörrautomat
10 h bei 70°C
Backofen 120°C etwa 40-50 Minuten

Paprika

dünne Streifen

Dörrautomat
4-6 h bei 60°C
Backofen 140°C etwa 40-50 Minuten

Pilze

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
6 h bei 55°C
Backofen 140°C etwa 40-50 Minuten

Sellerie

hobeln oder raspeln

Dörrautomat
5-8 h bei 60°C
Backofen 140°C etwa 40-50 Minuten

Tomaten

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
5 h bei 55°C
Backofen 140°C etwa 40-50 Minuten

Zucchini

In dünne Scheiben schneiden

Dörrautomat
7 h bei 55°C
Backofen 120°C etwa 40-50 Minuten

Wann ist die Dörrzeit zu Ende ?

Wer sich mit dem Trocknen von Lebensmitteln beschäftigt, entwickelt im Laufe der Zeit ein gutes Gefühl dafür, wann der Trockenvorgang abgeschlossen ist. Je nachdem, wie die Konsistenz der Gemüsechips sein soll können die Trockenzeiten um mehrere Stunden variieren. Im Allgemeinen lässt sich sagen, dass ein ausreichender Wasserentzug stattgefunden hat, wenn das Gemüse sich nach dem Trocknen leicht spröde anfühlt. Wenn es zwischen den Fingern knackt, hat es die für mich gewünschte Konsitenz um es zum Beispiel an meinen Hamster zu verfüttern. Zu kurz gedörrtes und noch biegsames Gemüse lehnt mein lieber Merlin ohnehin ab.

Geraspelter Sellerie ist schnell fertig. Hier im Dörrgerät bei 50°C & 4 Stunden Trockenzeit

Die Aufbewahrung

Da getrocknete Lebensmittel dazu neigen die Feuchtigkeit der Umgebungsluft aufzunehmen, sollten sie in einem gut verschließbaren Behälter gelagert werden. Dazu eigenen sich Einmach- oder Schraubgläser, Dosen und auch gut abdichtende Kunststoffbehälter. Ich habe mir angeeignet mir ein paar leer Gurkengläser für den Notfall beiseite zu stellen, so habe ich immer kostengünstige Behälter im Haus. Papier- und Plastiktüten eigenen sich weniger für die Einlagerung. Zu leicht können sich Lebensmittelmotten  in den Tüten einnisten und somit das wertvolle Gut zerstören. Zudem kann die Luftfeuchte eine Papiertüte durchdringen und den Inhalt vernichten. 

Wenn deine Vorräte bis zur Ernte im nächsten Jahr halten sollten, ist es außerdem empfehlenswert die Behälter in einem kühlen und dunklen Raum aufzubewahren. Ein trockener Kellerraum ist dafür ideal.

Aber auch wenn die Lebensmittel richtig verpackt und eingelagert wurden, solltest du sie vor dem Verzehr auf Unversehrtheit überprüfen. Falls den Lebensmitteln beim Dörren zu wenig Wasser entzogen wurde, kommt es nicht gerade selten zum Befall mit gesundheitsgefährdenten Schimmelpilzen. Und auch wenn der Verzehr schimmeliger Lebensmittel für  uns Zweibeiner mit einem satten Durchfall noch glimpflich ausgehen mag, kann es einen kleinen Nager das Leben kosten. 

Und nun wünsche ich euch viel Spaß beim Experimentieren und euren Fellnasen einen gesegneten Appetit !

 

Folge ROCKET auf Instagram

Print Friendly, PDF & Email
0 0 bewerten
Beitrag bewerten
Abonnieren
Benachrichtige mich zu:
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
Zeige alle Kommentare