ODER AUCH: PHOTOSHOP SCHADET NUR DEM, DER ES NICHT KANN 

Ehrlich: Ich bin es leid ! Immer wieder diese spitzen Randbemerkungen über Fotografien, Bilder und Bilder die keine Fotografien mehr sind.

Es häufen sich die Erfahrungen, in denen ich einen Raum mit Fotografen betrete und sofort dieses unangenehme Schweigen vernehme. Gespickt mit abschätzigen Blicken, die mich bestimmend darauf hinweisen sollen, dass meine Art der Fotografie ja eigentlich gar keine Fotografie mehr ist. Ganz mutige Mitstreiter tuscheln hinter vorgehaltener Hand : „Das ist doch die ….“

JA ! Das ist die, die ihre Bilder gerne tuned und es auch noch ganz unverblümt zugibt. Ein echtes Verbrechen in den Augen derer, die auf Glanz und Gloria in ihren Fotografien verzichten, weil: „Ein Bild muss ja unter allen Umständen schon aus der Kamera perfekt herauskommen.“ Schlimmer noch … auf den Einsatz von Photoshop, Filtern und Co. steht quasi die Todesstrafe. Du bekommst als Bildbearbeiter unterschwellig unterstellt, dass du zum Knipsen zu doof bist und den Edit benötigst um deine Bildfehler zu kaschieren. Weit verbreitet auch die Meinung, das Pixelschieben würde das eigentliche Bild kaputt machen. Okay … wohl dem, der auf flache RAW-Dateien steht … 

Wer solche Behauptungen aufstellt hat von der Materie wirklich keine Ahnung. Sicher kann ich mir die Welt schönpixeln, aber auch die Verarbeitung in Photoshop bedarf einer soliden Grundlage – sprich einem ordentlichen Ausgangsfoto. Während der „normale“ Fotograf für ein Bild in der Regel einmal auf den Auslöser drückt, bin ich für die Erstellung meiner Composinggrundlagen manchmal tagelang beschäftigt. Alle Bildelemente wollen qualitativ hochwertig und wenn möglich bei identischen Lichtverhältnissen auf den Chip gebracht werden. Danach durchlaufen alle einen Entwicklungsprozess im RAW Konverter, werden in den Photoshop geschaufelt, entrauscht, geschärft und freigestellt. Weiterhin werden für das fertige Werk viele verschiedenen Ebenen übereinandergelegt, miteinander verrechnet, farblich aufeinander abgestimmt. Am Ende muss ich Schatten einmalen, Tonwerte und Bildlook anpassen – also echt eine Menge Arbeit und Vorbereitung!

Wenn ich nun von Composing rede, spreche ich nicht nur von komplexen surrealen Bildern. Nein, es darf auch gerne mal eine einfache Tierfotografie sein, ein Stückchen Obst oder eventuell ein nettes Blümchen. Auch dies sind Motive, die es aufzuhübschen lohnt. Warum soll es schlecht sein das Maximum aus der Bildinformation herauszukitzeln. Warum nicht noch etwas an der Farbe drehen oder einen ausgefressenen Fleck auf der Blüte wegstempeln. Warum nicht den Wassertropfen auf dem Gefieder etwas hervorheben ? Warum nicht das Küken ins Ei montieren ?


Ja warum denn nicht ? Ein Trauerschwan NACH dem Edit und das Ausgangsfoto…. 

NACHHER

 

VORHER

Das Problem sind nicht die Fotografen die ihre Bilder bearbeiten. Das Problem sind eher diejenigen, die es halt irgendwie verpasst haben auf diesen Zug aufzuspringen. Das ist nämlich auch die Fraktion, die permanent über uns Bildbearbeiter abledert und sich auf die Kenntnisse ihrer ach so langen Fotografenkarriere beruft.  Diese Menschen sind für mich quasi die Veganer unter den Fotografen. Immer darauf bedacht dir die Salami auf deiner Schnitte schlecht- und sich ihre eigene fade Sojapaste schönzureden. Beim Anblick deiner Bilder rümpfen Sie erhaben die Nase und schütteln verständnislos mit dem Kopf. Das bereitet mir zuweilen echt miese Laune – es nervt !

In dieser feindseligen Haltung sehe ich übrigens auch den Ursprung in der desolaten Altersstruktur mancher Fotoclubs. Da wird gejammert was das Zeug hält, denn der Nachwuchs fehlt. Die Jungen haben ja angeblich nur noch Interesse an Selfies und Smartphonefotografie. Aber nein, das glaube ich nicht. Leider sitzen dort sehr oft Herrschaften, die sich auf ihrem Erlernten von vor 25 Jahren ausruhen und eben genau diese Meinung vertreten. Aber auch jüngere Mitglieder hegen mitunter eine schon militante Abneigung gegen den Einsatz von Bildbearbeitungsprogrammen. Wer hat denn da bitteschön Lust sich permanent rechtfertigen zu müssen, weil er seine Bilder optimiert…. ?

Wesentlich legitimer scheint es da sich diversen Workshoporgien hinzugeben. Egal ob barbusige Frau bei -10 Grad auf dem Burgfried, oder handzahme Wildtiere für sogenannte „Wildlife“ Aufnahmen. Hier ist jedes Mittel recht und richtig. Hauptsache das Bild kommt SO aus der Kamera.

Dass hier Licht, Model, Räumlichkeiten und Co. schon alles perfekt vom Workshopleiter arrangiert wurde … Tiere auch mal nicht gefüttert werden, damit sie auf dem Foto heißblütig über die Beute herfallen … alles wurscht …. man hat ja immerhin noch selbst auf den Auslöser gedrückt…..

WOW eine sehr kreative Leistung !

Da können wir „Bildermauschler“ natürlich nicht mithalten 

 

 

 

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Petit
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Tolle Arbeit.

Da sieht man mal wieder was man aus einem (langweiligem) Foto noch so tolles machen lässt.

Top.

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Bettina Dittmann
Gast

Ich danke dir ! Es scheint, du bist aus der unmittelbaren Nachbarschaft ?!? Das freut mich besonders !
lg Bettina

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Peter Bauer
Gast
Peter Bauer

Recht hast Du, das ist oft nur der Neid derer, die die Technik nicht beherrschen. Ich beherrsche PS auch -noch- nicht und bin froh, mit LR meine Fotos „aufhübchen“ zu können. Ich habe Respekt vor jedem, der sich so viel Mühe macht und auch Erfolg damit hat, einzigartige Fotos zu kreieren.
Ich habe mal auf einem Seminar gelernt: „Beachtung bringt Verstärkung, NICHTBEACHTUNG bringt Befreiung“! Aso nicht ärgern….

Bettina Dittmann
Gast

Hallo Peter,

vielen Dank für deine netten Worte zum Thema. Und das von jemanden, der schreibt, dass er Photoshop selbst nicht beherrscht. DANKE ! Ob diese Reaktionen neidgesteuert sind weiß ich nicht. Aber die Motivation dahinter ist ja auch völlig egal. Ich lebe nach dem Motto: „Leben und leben lassen ..“. Daran sollten sich andere vielleicht auch mal halten.
Das Thema wird wirklich von einigen fast sportlich provoziert. Warum auch immer.

Unter diesen Spezies werden mich wegen diesem Blogeintrag sicher manche als arrogant abtun, aber auch damit kann ich leben.

Und: Falls ich dir in Photoshop mal was helfen kann: Einfach fragen 😉

Ja … ist das denn noch Fotografie ?
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