... und warum du dich nicht dafür schämen musst !

Als bekennender Zoofotograf wird es dir hin und wieder passieren, dass dich andere Fotografen schräg anschauen oder du dir unter den Bildern diverser Fotocommunitys enorm dumme Sprüche einhandelst. Das geht von abwertendem „ Ach sooooo – das ist gar nicht Wildlife …“ über belehrende Gutmenschen die dir klarmachen möchten, dass die Tiere ihrer Freiheit beraubt und bis zu ihrem Ableben zu einem unnatürlich tristen Dahinsiechen verdammt sind.

Sicher lassen manche Gehege oder auch ganze zoologische Gärten zu wünschen übrig. Solche Einrichtungen werden von mir jedoch einfach gemieden, in der Hoffnung sie zusammen mit Gleichgesinnten einfach auszuhungern. Man muss diese Anlagen nicht unterstützen, denn schließlich kann man sich dank Google oft schon VOR dem Besuch einen Eindruck verschaffen. Generell möchte ich nicht bestreiten dass Tiere in die Natur gehören, aber ich verteufle auch nicht, wenn sie in Obhut des Menschen leben. Im Gegenteil: Viele Tiergärten sind maßgeblich an Artenschutzprogrammen beteiligt und züchten Nachkommen gefährdeter Arten, die mit ihrer Auswilderung einen großen Teil zum Wiederaufbau einer gesunden Population beitragen. Aber das wäre ein abendfüllendes Thema für sich.

Wollen wir uns also wieder dem eigentlichen Thema widmen und uns mit den Vorzügen und Nachteilen der Zoofotografie beschäftigen.

Ein bedeutender Vorteil der Zoofotografie ist die Möglichkeit Tiere abzulichten, die hierzulande einfach nicht vorkommen. Aber auch für einheimische Arten gilt: Nicht jeder hat die Zeit sich wochenlang auf die Pirsch zu legen um Meister Lampe vor die Linse zu bekommen. Natürlich ist es verwerflich, wenn du schöne Bilder von exotischen Tieren anfertigst – zumindest für deinen Fotokumpel, der seit 4 Wochen jeden Tag 10 Stunden mit Tarnzelt im Matsch liegt und Reineke Fuchs immer noch nicht erwischt hat. Lass dich nicht verunsichern  

F 8 | 1/200 | ISO 800 | 150 mm Auf der Mauer ... auf der Lauer ! Gute 2 Stunden musste ich für dieses Motiv bei 35 Grad an einer Mauer ausharren 😉

An dieser Stelle möchte ich betonen, dass ich vor eingefleischten Wildlifefotografen wirklich meinen Hut ziehe ! Ich kenne einige hervorragende Fotografen mit noch viel hervorragenderen Wildlifeaufnahmen und beneide allesamt um das Erlebte, ihre Geduld und auch die tollen Bilder. Und natürlich gehe ich auch selbst in die „Wildnis“ und fange mir das ein oder andere Motiv freilebend ein – aber eben nicht nur !

Beide Seiten haben ihren Reiz und ich könnte nicht sagen, Zoofotografie sei einfacher umzusetzen als Wildlifefotografie. Es ist einfach anders. Als Fotograf kommst du sicherlich schneller zum gewünschten Motiv, aber wer kennt sie nicht: die kamerauntauglichen Gitter im Zoo, die Salamifinger-verbabbten Glasscheiben und die elend unpassenden Hintergründe. Dicht gefolgt von breiten Gräben um die Gehege die ein nahes Herankommen unmöglich machen, wollen wir über den teils üppigem Besucherandrang gar nicht reden. Hier ein ordentliches Foto in den Kasten zu bekommen ist also gar nicht so einfach.

In der Natur sitzt du meist für dich alleine, suchst dir ein lauschiges Plätzchen und hast die Tiere in natürlicher Umgebung auf dem Chip – wenn du sie erst einmal erspäht hast. Darin mag wohl (neben einer ordentlichen und oft auch teuren Optik) die größte Schwierigkeit liegen.

Um eine erfolgreiche Zoosafari zu starten solltest du folgende Punkte beachten: 

10 Tipps für Zoofotografen

1. GEH NIEMALS IN DEN FERIEN

Das ist mein oberstes Gebot ! Zoofotografie ist toll – wenn nicht gerade die Delphin-, Bären- und Pinguingruppe aus dem Kindergarten zu Besuch ist. Nein, ich mag Kinder (habe ja selbst welche ..) aber im Zoo sind sie einfach eine lärmende, tierverscheuchende und glasscheibenverschmierende Horde Monster  Ernsthaft: Der Besucherandrang in den Ferien ist nicht förderlich für gute Bilder. Das gilt ebenso für Wochenenden mit Temperaturen ab 20 Grad. Die beste Zeit für ein erfolgreiches Zooshooting ist morgens wenn alle in Kindergarten, Schule und auf der Arbeit sind. Notfalls machst du halt mal einen Tag frei.

2. GEH NIE BEI GNADENLOSEM SONNENSCHEIN

Abgesehen davon, dass dir gute Aufnahmen in der prallen Sonne nicht gelingen werden sind einfach viele Tiere bei Hitze inaktiv. Die meisten Zoobewohner liegen bei sommerlichen Temperaturen viel lieber geschmeidig in der Ecke und schlafen, viele verziehen sich sogar ganz in ihren Bau.

 
3. GITTER UND ZÄUNE

Beachte bitte die Absperrungen. Halte sie den Tieren zuliebe und auch zu deiner eigenen Sicherheit unbedingt ein. Durch manche Gitter kann man gerade so noch ein Objektiv stecken, bei vielen leider nicht. Hier hilft es ein Objektiv größerer Brennweite (ich nutze dazu mein 70-200mm Tele) direkt an das Gitter zu legen. Meist kannst du beim Fotografieren die Stäbe mit einer offenen Blende einfach wegzaubern.  F 7.1 | 1/320 | ISO 320 | 200mm    Der rechte Moment berührt den Betrachter[/caption] 

F6.3 | 1/250 | ISO 400 | 200mm Bilder wie sie von Zoogegnern gerne genutzt werden. Tatsächlich hat dieser Orang Utan ein wunderbar großes und bepflanztes Gehege, in dem es ihm gut geht ! Für den Fotografen ist dieses Gitter jedoch unüberwindbar ....
4. AUSRÜSTUNG

Ob du ein Stativ mitschleppen möchtest sei dir überlassen. Ich habe meist ein 70-200 Objektiv sowie ein 150-600 Objektiv in der Tasche. Bisher hatte ich noch nie ein Stativ im Einsatz, da in den meisten Fällen Mauern oder Zäune zum Auflegen des Objektivs vorhanden waren. Mit 20 kg Gepäck durch den Zoo wandern macht keinen Spaß – denke daran. Weitwinkel, 50mm und Co. kannst du eigentlich Zuhause lassen.

5. GEHE ALLEINE IN DEN ZOO

Wenn du sicher sein willst das niemand die Augen rollt weil du seit 3 Stunden vor dem Pavianfelsen sitzt: Geh`alleine ! Es ist gut gemeint, wenn du deine Kinder mitnehmen willst, aber sei dir sicher sie wollen NIEMALS gerade das Tier beobachten, welches DU im Moment fotografieren möchtest. Und auch wenn – nach 10 Minuten haben sie genug und wollen weiter. Du meinst mit Erwachsenen sei es einfacher ???? VERGISS ES ! Nicht dein Partner, nicht deine Mutter nicht dein Kollege … Niemand wird Verständnis dafür haben, dass du jetzt noch stundenlang warten willst, bis der Affe endlich etwas Tolles für dein Bild macht.

6. WAHL DER PERSPEKTIVE:

Geh auf Augenhöhe, sofern möglich. Es lässt dich dein Objekt der Begierde besser freistellen und sieht einfach auch schöner aus. Die schlechteste Fotoperpsektive ist von oben runter – das sieht sehr unnatürlich aus.

F 6.3 | 1/200 | ISO 500 | 88mm Direkt auf Augenhöhe mit Lemuren
7. MOTIVVIELFALT

Konzentriere dich auf zwei oder drei Tierarten. Du wirst es unmöglich schaffen alle Tiere vor die Linse zu bekommen. Mag sein, dass es dir doch gelingt, aber dann hast du Riesenglück. Wenn du ein wirklich gutes Bild machen willst, warte auf einen außergewöhnlichen Moment. Eine Giraffe die stundenlang regungslos dasteht und Heu kaut ist mäßig interessant für den Betrachter. Du brauchst Zeit ! Oft sitze ich für ein richtig schönes Motiv 1-2 Stunden vor einer Tierart.  

F 7.1 | 1/320 | ISO 320 | 200mm Der rechte Moment berührt den Betrachter
8. BILDAUFBAU:

Als ungeübter Fotograf solltest du Augenmerk auf den Hintergrund legen. Schnell passiert es, dass sich im Hintergrund hawaiihemdentragende Besucher einschleichen. Das ist sehr ärgerlich, besonders wenn es dir das erst Zuhause bei der Sichtung der Bilder auffällt. Schaue genau durch den Sucher und komponiere deinen Bildausschnitt so, dass Besucher, Mülleimer und Imbissbuden auch sicher nicht auf dem Foto erscheinen.

9. KAMERAEINSTELLUNG:

In erster Linie solltest du dich bei bewegten Motiven auf die Verschlusszeit konzentrieren. Kurze Verschlusszeiten ab 1.600 ermöglichen dir das scharfe Einfangen dynamischer Zoobewohner. Da es zu viele verschiedene Kameramodelle gibt, wäre ein Fachsimpeln über ISO-Einstellungen und Co. unsinnig. Du weißt am besten, wann das Bildrauschen deiner Kamera unerträglich wird und musst für dich den Mittelweg zwischen Belichtungszeit und ISOrauschen finden

F 7.1 | 1/320 | ISO 400 |200mm Ich bin so frei .... Kein Element im Hintergrund, so kommt das Motiv besser zur Geltung !
10. SEI GELASSEN:

Du hast kein Bild bekommen welches dir gefällt ? Seh` es locker und gehe einfach nochmal in den Zoo. Ich weiß nicht wie oft ich schon erfolglos und ohne jegliches Foto Zuhause angekommen bin 🙂

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Ulli
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Ulli

Zum Thema „Zoo“ und „Wildpark“ kann ich noch folgendes hinzufügen: Im Nürnberger Zoo, wo ich gelegentlich fotografiere, kann man sich einen Bollerwagen mieten und seinen Fotorucksack und Krimskrams gut transportieren. Auch ein Trolley kann gut unterstützen.
Nervig finde ich zB den Wildpark „Bad Mergentheim“…ist zwar privat betrieben und deswegen auch ein gewisses Verständnis für höhere Kosten. Tiere kosten Geld. Aber das ein Stativ extra Eintritt kostet und nur maximal 3 Stative pro Tag erlaubt sind…sei dahin gestellt.
Ferienzeit meiden. Und Zeit mitnehmen, man kann nicht alles fotografieren. Oft gelingen auch wildlife-Aufnahmen im Zoo ganz gut, Reiher, Störche, etc…

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Bettina Dittmann
Gast

Hallo Ulli – das stimmt ! Mir ist auch schon aufgefallen, dass zum Beispiel auch kleinere Vögel recht zutraulich im Zoo umherhüpfen. Damit meine ich nicht unbedingt die bettelnden Spatzen an der Currywurstbude 😉 Auch andere Piepmätze sitzen einem da gut vor der Linse. Ich habe schon oft überlegt vom eigentlichen Motiv mal zu wechseln zu Wildlife – es aber schließlich dann doch nie gemacht. Am Freitag gehe ich wieder einmal in den Zoo hier nach Kaiserslautern. Der ist klein und beschaulich und morgens ziemlich leer. Ich freue mich, denn für mich ist da auch immer so ein „Ganztagserlebnis“ mit… Mehr lesen »

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Alexander Schlauch & Ira Brockmann
Gast

liebe Bettina, du brichst für die Zoofotografie eine Lanze! Großartig! Warum auch nicht.. es ist nix, aber auch gar nix Verwerfliches oder zu Belächelndes an dieser Art der Tieraufnahmen. Im Gegenteil auch hier heißt es… GEDULD und nochmal GEDULD! Ne Grundvoraussetzung für gute, stimmige und feine Aufnahmen! Ein großer Unterschied zur reinen Wildlife-Fotografie ist die Herangehensweise. und Vorbereitung! Im Tierpark oder Gehege sind die Tiere da, draußen heißt es die Reviere erkunden, Verhalten und auch Gewohnheiten der Wildtiere [sind auch nur Menschen :-))] studieren und versuchen eben diese Verhaltensmuster zu nutzen! Klar ist im Wildlife mehr Einsatz an „Glas“ und… Mehr lesen »

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Bettina Dittmann
Gast

Liebe Ira & lieber Alexander, nun seid ihr zwei derjenigen „Wildlifer“, die ich so lobenswert in diesem Beitrag erwähnt habe. Ich liebe eure Fotografien und kann nur erahnen, wieviel Zeit und Planung hinter jedem einzelnen Bild steckt. Der Unterschied zu so manch anderen Fotografen besteht darin, dass ihr auch andere „Herangehensweisen“ toleriert. Ich schätze eure Offenheit und Ehrlichkeit ! Nie würde euch einfallen ein gestelltes Bild als Wildlife auszuloben – das habt ihr auch gar nicht nötig. Weiß der Teufel, was so manche da draußen reitet …. In diesem Sinne werde ich mich noch sehr oft an euren schönen Aufnahmen… Mehr lesen »

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Die Kunst der Zoofotografie ….
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