Stichhaltige Beweise für das friedliche Miteinander von Wespe und Mensch

Mitte April diesen Jahres entdeckte ich beim Großreinemachen der Dachterrasse ein Wespennest. Oder besser gesagt ein kugelförmiges Gebilde, aus dessen Einflugöffnung  eine lange Röhre aus feinst hergestelltem Papier hing. Dass ich hier auf ein Wespennest in der 1. Bauphase blickte war mir schon gleich klar…. nur wie damit umgehen ?

Nest in der Gründungsphase mit „Rüssel“

Wie gemeinhin üblich warf ich also mal wieder Google an um nach Erfahrungsberichten anderer Betroffener zu suchen. Genauso üblich wurden mir natürlich die unterschiedlichsten Meinungen zum Thema Wespennest am Haus angezeigt. Da gab es Leute die Bauschaum in die Nester sprühten und das gesamte Volk töteten, andere holten den Kammerjäger oder die Feuerwehr und ganz andere wiederum ließen das Nest einfach hängen ….. Hmmmmmmmm ….

Nun bin ich eigentlich kein großer Freund von Wespenstichen – es gibt Dinge, die fühlen sich einfach besser an …. aber sollte ich die jetzt alle einfach so grundlos plattmachen ???

Ich räumte mir also noch etwas Bedenkzeit ein, weil ich mir einfach noch nicht sicher war was ich machen wollte. Erschwerend kam hinzu, dass meine Nachbarn mich mit betroffenen Gesichtern auf die Existenz des Nestes aufmerksam machen wollten. „Jaaaaa“, dachte ich ….. „ich habe es gesehen“. Ich versprach das Nest auf der Stelle zu entfernen und ging zielstrebig mit einem Rasenkantenstecher in der Hand auf die Dachterrasse. Oben angekommen stand ich ca. 20cm Luftlinie von dem dort angebrachten Nest entfernt. Durch das dort angebrachte Katzennetz blickend und schwer bewaffnet mit meinem Gartengerät war ich fest entschlossen das Übel im Keim zu ersticken ……

Wunderschön marmoriert …

Und dann sah ich sie … diese wunderschöne fast schwarze Wespe mit ihren edel wirkenden schmalen und gelben Kringeln um den Leib. „Nein“ … dachte ich mir – das sind keine gewöhnlichen Wespen. Das muss etwas besonderes sein ….

Heute mal das Kleine Schwarze

Erneut setzte ich mich vor den Rechner um mithilfe von Google die Art zu bestimmen. Zu diesem Zeitpunkt sollte mir das noch nicht eindeutig gelingen, aber es wurde schnell klar, dass es sich hier um ein friedfertiges Wespenvolk handelt. Also beschloss ich, dass sie bleiben dürfen ….

Mittlerweile wurde das Nest fast fußballgroß ausgebaut und wir leben sehr friedlich mit unseren Gästen zusammen. Da sich ab und an einige Insekten im Garten auf Blüten oder am Teich verirren ist es mir auch gelungen ein Makro anzufertigen, auf welchem die Stirnzeichnung gut zu erkennen ist. Bei unserem Volk handelt es sich um die  „Dolichovespula media“ zu Deutsch auch „Kleine Hornisse“ oder „Mittlere Wespe“ genannt.

Schon stattlich groß geworden …

Wir haben uns mittlerweile sehr gut mit diesen Bewohnern arrangiert. Obwohl das Nest direkt auf der Dachterrasse angebracht wurde ist es möglich sich dort frei zu bewegen. Das Volk erscheint mir nicht sonderlich groß, vielleicht mag sich das im Laufe des Sommers ja aber noch ändern. Es ist ohne Weiteres möglich auf der Dachterrasse oder der Terrasse im Erdgeschoss zu sitzen und zu essen. Bis jetzt hat sich noch keine einzige Wespe auch nur annähernd für uns, unsere Nahrungsmittel oder unsere Getränke interessiert. Im Gegenteil – wie du siehst ist es mir sogar gestattet Bilder anzufertigen. Wenn du also als „Wespennestbetroffener“ auf diesem Beitrag gelandet bist, darf ich dich beruhigen. Bitte lasse das Nest dieser Wespenart hängen und bedenke welch bedeutende Aufgabe Insekten für unsere Umwelt übernehmen. 

 

 

Merkmale:

Die Mittlere Wespe ist eine Faltenwespe aus der Gattung der Langkopfwespen. Während die Königinnen eine Körperlänge von 18-22 mm erreichen, werden die Drohnen und Arbeiterinnen nur ca. 15-19mm lang. Der Hinterleib kann von kräftigem Gelb bis zu fast Schwarz variieren. Die schwarzgefärbten Wespen habe dünne gelbe Streifen am Hinterleib.

Von Ende April bis ca. Mitte September sind die Wespen aktiv und besiedeln lichte Wälder, Gebüsche oder auch menschliche Siedlungen. Das Nest, welches frei hängend angelegt wird, ist kugel- bis eiförmig. Zu Baubeginn erkennt man die Nester der Mittleren Wespe auch gut an der langen „Röhre„ die am Einflugloch herunterhängt. Die Grundfarbe des Nestes ist Grau, jedoch von zahlreichen braunen und weißlichen Streifen verziert. Aus relativ festem Material gefertigt ist es wasserabweisend und dementsprechend wetterfest. Das Baumaterial wird gerne an verwitterten Holzelementen von Gartenzäunen und anderen Brettern abgeraspelt.

Die Nahrung der Arbeiterin besteht hauptsächlich aus Pflanzen-, Baum- und Obstsäften, Blütennektar und dem Honigtau der Blattläuse. Für die Aufzucht der Brut werden wegen des Eiweißgehaltes kleinere Insekten (Stechmücken etc.) benötigt.

Die Mittlere Wespe ist friedfertig und nicht an den Nahrungsmitteln von Menschen interessiert. Sie fliegt nicht in Wohnungen ein !

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