Wie dir lebendige Nachtaufnahmen gelingen

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Nachts sind alle Katzen grau, oder ?!?

Dies gilt allerdings nicht, wenn du mit deiner Kamera zur Blauen Stunde oder  noch später losziehst um die Lichter der Stadt einzufangen. Dazu musst du nicht unbedingt nach New York oder Las Vegas. Auch vor deiner Haustür gibt es viele reizvolle Motive, für die es sich lohnt sich die Nacht um die Ohren zu schlagen. Was du dabei beachten musst, welche Ausrüstung sinnvoll ist und welche verschiedenen Spielarten es bei der Nachtfotografie gibt möchte ich in diesem Beitrag gerne zeigen.  Mir ist wichtig vorab anzusprechen, dass ordentliches Equipment einen nicht unwesentlichen Teil des Erfolges ausmacht. Denn auch wenn es auch so schön heißt, dass der Fotograf das Bild macht und nicht die Kamera, wirst du mit einer Billigbüchse mit schlechtem Rauschverhalten schnell die Lust an nächtlichen Aufnahmen verlieren. Auch ein solides lichtstarkes Objektiv ist sinnvoll um ein Maximum an vorhandenen Lichtern einfangen zu können.

Nachtfotografien üben auf mich (nicht zuletzt wegen der prächtigen Farben der Lichter) seit jeher einen besonderen Reiz aus. Für bemerkenswerte Aufnahmen braucht es etwas Vorbereitung und Geduld. Ein schnelles Bild ist hier fast nie gemacht. Es kann durchaus vorkommen, dass am gewünschten Motiv und Gebäude genau am auserwählten Abend des Shootings die Beleuchtung fehlt – dann heißt es eben nochmal hinfahren.  Wie oft sind wir schon losgezogen und die Lichter in den Schaufenstern gingen früher aus als gedacht, der linke Strahler der Kirche war defekt oder die Lichter im Bürogebäude waren komplett aus. Eine durchdachte Planung ist also kein Fehler

Mit der richtigen Ausrüstung und dem nötigen technischen Hintergrundwissen gelingen dir Nachtaufnahmen jedoch sicher und einfach. Nachfolgende Tipps sollten deine Fragen zu diesem Thema umfassend beantworten und dir bei der Umsetzung helfen:

Die Ausrüstung

Die Ausrüstung

Kamera & Co

Die Kamera

Grundsätzlich kannst du mit jeder Kamera Nachtaufnahmen machen. Wichtig ist jedoch, dass deine Kamera nicht nur im Automatikmodus fotografieren kann, sondern dir manuelle Einstellungsmöglichkeiten lässt. So kannst du Blende, Verschlusszeit und ISO Wert nach deinen Wünschen einstellen um ein bestmögliches Ergebnis zu erreichen. Sinnvoll für die Bearbeitung später am PC ist die Möglichkeit des Bracketings. Bracketing nennt man Belichtungsreihen, die dir ermöglichen aus einem Foto später eine HDR Aufnahme zu generieren. Dazu aber in einem anderen Beitrag mehr. Unverzichtbar bei Langzeitbelichtungen ist außerdem der BULB-Modus der Kamera. Dieser ermöglicht Aufnahmezeiten, bei der die Kamera länger als 30 Sekunden belichten kann. 

Wie Anfangs schon erwähnt scheitern bei wenig Licht günstige Kameramodelle meist an der Bildqualität. Hier bist du mit einem teureren Modell eindeutig im Vorteil. Dynamikumfang und Bildrauschen sind in der oberen Liga einfach deutlich besser.  Meine Empfehlungen gehen zur Nutzung einer digitalen Spiegelreflexkamera oder wahlweise einer marktneuen Systemkamera. Ein Vollformatsensor macht sich bei Available Light Aufnahmen durchaus bezahlt !

Das Stativ

Für mich inzwischen absolut unverzichtbar: Der Magic Balance von Novoflex !

Um ein  Stativ wirst du nicht umhinkommen. Die Wahl sei dir überlassen, du solltest aber auf Standfestigkeit und Robustheit achten. Ich schleppe lieber ein wenig mehr Gewicht durch die Gegend wenn ich dadurch einen instabilen Unterbau vermeiden kann. Gerade bei langen Belichtungszeiten ist die Gefahr von Verwacklungen sehr hoch. Um diese auf ein Minimum zu beschränken wählst du am besten ein Stativ ohne ausfahrbare Mittelsäule. Wenn du keines besitzt, dann lass sie zumindest eingefahren. Hochgeschraubte Mittelsäulen sind gerade während ein laues Lüftchens DIE Fehlerquelle für unscharfe Bilder.

Nicht immer steht dein Stativ auf ebenem Boden. Manchmal musst du vielleicht zwei Beine auf einen Mauersims stellen oder machst Aufnahmen am Hang. Um einen allzu wackligen Aufbau bei der Feinjustierung zu vermeiden nutze ich hier eine Nivellierkalotte. In meinem Fall bewährt hat sich der NOVOFLEX Magic Balance. Nicht von Pappe, aber ausgesprochen einfach zu bedienen und sehr stabil.

Beliebtes Nachtmotiv in Frankfurt: Die Skyline

Das Objektiv

Für das Objektiv gibt es keine eindeutige Empfehlung. Hier kommt es ganz darauf an, was du fotografieren möchtest. Je nach Vorliebe variiert die Brennweite. Möchtest du ein paar schöne Aufnahmen in der Stadt oder ähnliches anfertigen, ist ein lichtstarkes Objektiv nicht unbedingt Pflicht. Du wirst in diesem Fall ohnehin auf mindestens Blende 8 gehen; willst du Blendensterne auf deinem Foto sehen sogar auf Blende 16 oder noch höher. Eine Offenblende von 2,8 und weniger ist nur im Falle von Astroaufnahmen oder dergleichen ein Muss. Wenn du Startrails oder gar die Milchstrasse auf den Chip bannen möchtest sind Blendenwerte von maximal 2,8 absolut sinnvoll.

Viel wichtiger ist mir der Aufbau des Objektivs hinsichtlich der Blendenlamellen. Als Blendensternliebhaber lege ich extremen Wert auf schön ausgeformte Sternchen in runden Lichtquellen. Nachdem ich ein teuer erstandenes Objektiv sofort wieder verkauft habe, weil mir die Sterne zu ausgefressen waren sehe ich mir vor dem Kauf nun gerne Vergleichsfotografien an. Meine Lieblingsplattform hierfür ist JUZAPHOTO. Dort findest du alle erdenklichen Objektive und massenweise Beispielbilder – und zwar richtig gute !

Der Fernauslöser

Das wichtigste Zubehör für Langzeitbelichtungen ist der Fernauslöser. Mit Hilfe dessen kannst du das Anfassen bzw. Drücken des Auslöseknopfes und damit verbundene Verwackler vermeiden. Wer schon öfter nachts auf Fotosafari war weiß um den Vorteil eines beleuchteten Displays. Wenn du das Bedienfeld deines Auslösers erst mit der Taschenlampenfunktion eines Smartphones sichtbar machen kannst, artet die Fototour in eine echte Stresstour aus. Egal ob du dich für einen kabelgesteuerten Auslöser entscheidest oder einen Funkauslöser bevorzugst, beide erfüllen ihren Zweck gleichermaßen gut. Ein Funkauslöser gibt dir allerdings die Möglichkeit bei Lichtquellen im Rücken deinen Schatten im Bild zu vermeiden, denn du kannst dich von deiner Kamera beim Auslösen viel weiter entfernen.

Einer meiner liebsten Plätze in der Nacht: Der Rummel

Filter

Filter gibt es in verschiedenen Varianten. Am gängigsten sind Schraubfilter, die einfach auf das Objektiv aufgeschraubt werden.  Es gibt allerdings Objektive, auf die sich solche Filter wegen der Wölbung der Linse nicht aufschrauben lassen. Ein Beispiel dafür ist mein Tamron 15-30mm, 2,8. Für dieses Objektiv gibt es die Möglichkeit Steckfilter zu nutzen, was für mich den großen Vorteil hat, dass ich mehrere Filterscheiben gleichzeitig nutzen kann.

Grauverlaufsfilter:

Wenn der Himmel in der Blauen Stunde weitaus heller als das restliche Motiv ist, greife ich gerne zum Grauverlaufsfilter. So bleibt das satte Blau des Himmels auch bei langen Belichtungszeiten erhalten und ich gewinne mehr Zeit um dunkle Bereiche des Motivs heller zu belichten.  Grauverlaufsfilter gibt es in verschiedenen Ausführungen und man kann nie genug davon haben. Zur blauen Stunde setze ich meistens einen ND-0,6-Filter oder einen ND-0,9-Filter ein. Je höher die Neutraldichte angegeben ist, desto größer ist der Verdunklungsfaktor.

Graufilter:

ND Filter ohne Verlauf sind mir in der Nacht willkommen. Wenn der Himmel bereits tiefschwarz ist kann der Verlaufsfilter getrost in der Tasche bleiben. Beim flächigen ND Filter ist es dem Fotografen gegönnt, durch extrem lange Belichtungszeiten, ungeliebten Publikumsverkehr nahezu komplett verschwinden zu lassen. Auch um möglichst viele Lichtspuren von zum Beispiel vorbeifahrenden Autos einzufangen ist ein ND Filter erste Wahl. In der Tat habe ich hier gerne einen ND 8, bei sehr hell erleuchteten Stadtlandschaften auch schonmal einen ND64 im Einsatz. Es dauert dann eben ein wenig länger 

Gitterfilter:

Wer es mag. Gitterfilter kommen zum Einsatz um in Lichtquellen Sterneffekte zu zaubern. Es gibt sie in vielen verschiedenen Ausführungen, so dass man zwischen einer unterschiedlich großen Anzahl Strahlen wählen kann. Mich hat mein erworbener Gitterfilter nicht überzeugt und ich generiere Sternchen lieber über die Steuerung der Blende.

Schöner Himmel zur Blauen Stunde. Da der Himmel heller als die Umgebung war kam hier ein Grauverlaufsfilter zum Einsatz

APPs

Eine App für jeden Zweck. Diese kleinen Hilfsprogramme können dir das Leben ungemein erleichtern. Auf die Bedienung der Applikationen möchte ich nicht näher eingehen, sondern sie nur kurz hier vorstellen:

blautime
  • Kostenlos
  • Anzeigen von Blauer Stunde, Sonnenauf- und untergang
  • einfach & unkompliziert
photopills
  • 10,99
  • Weltweites Planen von Milchstraßenposition, Sonnenstand, Mondphasen und was das Herz begehrt.
  • nicht ganz einfach in der Bedienung
rolleimoments_2
  • Kostenlos
  • Übersichtlicher ND Kalkulator, der auch Berechnungen mit Filterkombinationen zulässt
  • einfach in der Bedienung
mondphasen
  • Kostenlos
  • Anzeigen der Mondphasen
  • einfach & unkompliziert

Die Taschenlampe

Ein treuer Begleiter meiner nächtlichen Touren ist die Taschenlampe. Es gibt Ecken, die auch bei langen Belichtungszeiten noch im Schwarz absaufen. Um diese Stellen etwas aufzuhellen „male“ ich während der Belichtungsdauer etwas Licht auf das Motiv. Das hilft enorm !

Die Ausrüstung

Die Technik

Kameraeinstellung & Co.

RAW oder JPG ?

Schnell beantwortet: Wenn möglich solltest du IMMER im RAW Format fotografieren. Dies gilt nicht nur für Nachtaufnahmen sondern für alle Fotografien. Ich würde es niemals übers Herz bringen auf wertvolle Bildinformationen freiwillig zu verzichten. Die RAW Entwicklung lässt dich das Maximum an Farben, Tonwerten und Kontrasten aus deinen Bildern herausholen. Der Mehraufwand in der Bildbearbeitung lohnt sich in jedem Fall !

Rauschunterdrückung

Nutze ich nie. Die Rauschunterdrückung macht allenfalls beim Fotografieren im JPG-Format Sinn, aber gerade hatten wir uns ja auf etwas anderes geeinigt. Alles was nicht übermäßig rauscht im Bild kannst du im RAW Konverter oder Lightroom bei der Entwicklung entfernen.

20mm / F11 / ISO 100 / 26 sec. Belichtungsdauer

Weißabgleich

Auch dieser ist bei Verwendung des RAW Formates nicht unbedingt wichtig. Den Weißabgleich nehme ich persönlich ebenfalls bei der Entwicklung in Lightroom vor.

ISO

Bei normalen Nachtaufnahmen in der Stadt und mit Stativ: Immer ISO 100. Du kannst so lange belichten wie du magst und steuerst die Helligkeit deines Bildes ohnehin über die Verschlusszeit. Mach dir das Leben durch ISO Rauschen also nicht unnötig schwer.

Solltest du ohne Stativ unterwegs und gezwungen sein aus der Hand zu fotografieren, so bleibt dir leider nichts anderes übrig, als die Verschlusszeit über die ISO Werte zu steuern. Wenn du für dein Bild mit ISO 100 etwa 10 Minuten Verschlusszeit ansetzen müssest, so benötigst du für das gleiche Motiv mit ISO 200 nur noch 5 Minuten, ISO 400 noch 2,5 Minuten usw… Im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Verdoppelung der ISO Empfindlichkeit eine Halbierung der benötigten Verschlusszeit ermöglicht. Je höher die ISO Zahl, desto deutlicher ist leider auch das Rauschverhalten des Sensors. Deswegen solltest du Freihandaufnahmen bei schlechtem Licht nur dann in Erwägung ziehen, wenn du wirklich gar keine andere Möglichkeit hast.

Eine Ausnahme in Punkto ISO Einstellungen bildet die Sternenfotografie. Willst du die Milchstraße oder den Sternenhimmel ablichten, so musst du die ISO etwas anheben.

Blende

Blendesterne bei verschiedenen Blendenöffnungen

Der zu nutzende Blendenwert richtet sich nach der Vorstellung, wie dein Bild am Ende aussehen soll. Spielst du mit Unschärfen oder legst deine Priorität auf ein softes Bokeh, so wirst du eine offene Blende bevorzugen. Möchtest du von vorne bis hinten alles knackscharf ablichten, so bist du mit einer Blendenöffnung von 8-11 gut bedient. Ab Blende 16 erreichst du, dass sich runde Lichtquellen in ein Meer von Sternchen verwandeln. Ich treibe diesen Effekt gerne mit Blende 16-22 auf die Spitze, wobei hier aber mit Beugungsunschärfen zu rechnen ist. Der Blendenwert richtet sich also allein nach deinen Vorlieben und den Effekten, die du erzielen willst.  

In der GIF Datei siehst du, wie sich verschiedene Blendenöffnungen auf die Klarheit der Sternchen auswirken. Je geschlossener die Blende, desto schöner der Effekt.

In der Animation siehst du die Ergebnisse folgender Blendenwerte:

3.2 / 5.6 / 8.0 / 11 / 16 / 22

 

Unterschiedliche Blendensterne der Objektive:

post_mergepost_8bit

Festbrennweite oder Zoom ?

Eindeutig Geschmacksache. Während Festbrennweiten meist lichtstärker sind als Zoomobjektive, sind sie gleichwohl auch weniger flexibel. 

Mit Zoomobjektiven lassen sich zudem allerlei experimentelle Fotografie durch Ein- oder Auszoomen anfertigen. Wer auf solche Spielereien steht sollte sich ein Objektiv mit möglichst großem Zoombereich zulegen. Zoomeffekte sind umso intensiver, je länger der Zoomweg ist.

Für das linke Bild fuhr ich an den Bahnhof und hatte ich ein Canon 70-200mm Objektiv im Einsatz. Auf Bahnsteigen bieten sich nachts schöne Lichter, die sich durch die symetrische Anordnung der Anzeigetafeln besonders gut für ein gleichmäßig aufgebautes Bild eignen.

Der hier gezeigte Effekt entstand durch das Einzoomen von 70mm auf die vollen 200mm. So werden die Lichter im Vordergrund scharf. Beim umgekehrten Zoomen sind die Lichter vorne verschwommen und der Hintergrund wird deutlicher abgebildet.  Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. 

Die Verschlusszeit

Je mehr Lichter du einfangen willst bzw. je weniger Licht dir zur Verfügung steht, desto länger muss der Verschluss offen bleiben. Die meisten Kameras sind in der Lage bis zu 30 Sekunden im „M“ Modus zu belichten. Für alle längeren Zeiten musst du die Kamera auf BULB stellen. In dieser Einstellung kannst du dein Motiv so lange belichten, wie der Auslöser gedrückt bleibt. Da Erschütterungen aber zu 100% sicher sind wenn dein Finger dauerhaft auf dem Auslöser liegt, nimmst du dazu besser einen Fernauslöser. Damit kannst du entspannter fotografieren.

Doch wie findest du nun die richtige Belichtungszeit heraus ? Gehe wie folgt vor:

Stelle deine Kamera auf Modus „AV“, ISO 100 und wähle im Vorfeld die Matrixmessung. Nun stellst du deinen gewünschten Blendenwert ein. Bei Antippen des Auslösers misst die Kamera nun die Belichtung und gibt dir die Zeit für die korrekte Belichtungsdauer vor. Hast du die passende Verschlusszeit ermittelt, stellst du zurück in den „M“- Modus um die nötigen Einstellungen vorzunehmen und auszulösen.

Alles was länger als 30 Sekunden Licht bräuchte wird leider nicht gezeigt und muss mit Hilfe eines Testfotos ausgelotet werden. Hier hilft nur ausprobieren. Dazu stellst du in den „BULB“ Modus und machst eine Reihe Aufnahmen mit verschiedenen Verschlusszeiten (zum Beispiel 30 sec / 60 sec / 90 sec).  Am Ende wird das Auge entscheiden, was am besten passt.

Bracketing

Nun ist eine Fehlbelichtung bei Nachtaufnahmen durch die extremen Lichtunterschiede eigentlich an der Tagesordnung. Hast du den dunklen Himmel so belichtet dass er noch Farbe und Struktur zeigt, ist es wahrscheinlich, dass die Lichter komplett ausfressen dargestellt werden. Sind diese richtig belichtet, wird dir der Himmel vermutlich in ein Tiefschwarz absaufen. Ein ausgewogenes Bild wirst du so nur schwer erhalten. Dieses Phänomen kann man mit einem einfachen Trick allerdings leicht umgehen. Dazu bedient man sich Belichtungsreihen, welche man später am PC zu einem HDR verrechnen kann. Dieses sogenannte Bracketing nimmst du direkt beim Fotografieren kameraseitig vor. Die Voreinstellungsmöglichkeiten der Kameramodelle können variieren, meist kannst du jedoch zwischen Belichtungsreihen mit je 3, 5 oder 7 Bildern wählen.  Bei einer Reihe mit drei Bildern bietet sich an, ein korrekt belichtetes, ein unter- und ein überbelichtetes Foto anzufertigen. In der späteren HDR-Verrechnung wählt die Software dann die Lichter aus dem unterbelichteten und die Tiefen aus dem überbelichteten Bild. So entstehen Fotografien mit einem Kontrastumfang, der alleine durch die Fotografie schlichtweg unmöglich ist.
Manche Kameramodelle bieten sogar eine kamerainterne HDR-Verrechnung an. Zu diesem Thema kann ich aber zwecks fehlender Erfahrung nichts schreiben. Ich ziehe die Kontrolle über meine Bilder bei einer softwareseitigen Entwicklung und Verrechnung stets kamerainternen Funktionen vor.

Blitzlicht

Wenn du bestrebt bist jegliche Stimmung in deinen Aufnahmen zu vernichten, dann nutze einen Blitz. Ansonsten: Finger weg

Bildstabilisator

Ohne Stativ ist so eine Aufnahme nicht möglich

Was bei Freihandaufnahmen am Tag eine wunderbare Erfindung ist, ist bei Einsatz auf dem Stativ eher kontraproduktiv ! Den Bildstabilisator schaltest du bei Nachtaufnahmen auf dem Dreibein besser. Du läufst sonst Gefahr, Verwacklungen eher herauszufordern als sie zu vermeiden. Ein aktivierter Bildstabilisator versucht durch seine beweglich gelagerten Linsen auch dann Bewegungen auszugleichen, wenn es gar nicht nötig ist – nämlich bei Einsatz eines Dreibeins.

Der Fokus

Was tagsüber keine drei Zeilen wert ist, kann bei fehlendem Licht zum echten Problem werden. Je dunkler das Umgebungslicht, desto schlechter kannst du dich auf einen korrekten Autofokus verlassen. Was auf dem Kameradisplay noch ganz gut aussieht verdirbt dir spätestens bei der Großansicht am PC die gute Laune. Aus diesem Grund habe ich gerne eine helle Taschenlampe am Start. Ist man mit einem Fotokollegen unterwegs, kann dieser ein Objekt kurzzeitig anleuchten – so kannst du mit deinem Autofokus in Ruhe scharfstellen. Das funktioniert natürlich auch alleine, ist aber etwas fummeliger. Sollte es partout nicht klappen wollen, dann hilft kein Jammern: Du musst manuell fokussieren. Eine echte Erleichterung ist der Einsatz des Live-Views an deiner Kamera. Mit Hilfe der Lupenfunktion zoomst du in das Bild hinein und kannst so die Schärfe genau auf den gewünschten Punkt legen. Ein Segen …. !

Die Technik

Besonderheiten

Sternenhimmel

Sternenhimmel

Geschmackssache ... Ob klarer Sternenhimmel oder Startrails - Eine Frage der Belichtungsdauer

In einer klaren Nacht möchtest du vielleicht den Sternenhimmel zur Untermalung der Bildstimmung in dein Motiv mit einbeziehen. Je nachdem wie du diesen darstellen willst gibt es ein paar Besonderheiten zu beachten. Um den Sternenhimmel einzufangen solltest du so offenblendig wie nur möglich fotografieren. Wenn du nicht auch noch die Milchstraße mitnehmen magst, reichen dir ISO Werte von 100-320 locker aus.

Der schwierigste Teil in der Sternenfotografie ist eigentlich die richtige Fokussierung. Falls dein Objektiv dir die Möglichkeit gibt direkt am Fokusring auf Unendlich zu stellen, dann nutze dies. Wenn nicht, fokussierst du am besten über den Live-View und kontrollierst die Schärfe bei maximaler Vergrößerung.  Am besten nutzt du als Referenzpunkt einen weit entfernten Punkt (Windrad, Kirchturm oder ähnliches).

Da die Erdrotation während deiner Langzeitbelichtung keine Pause für dich einlegt, musst du deine Belichtungszeit passend einstellen. Dabei kommt es ganz darauf an ob du Startrails erzeugen möchtest, oder die Sterne lieber punktförmig auf den Chip bannen willst. Wie lange du Sterne belichten kannst ohne Sternspuren auf dem Bild zu erzeugen ist ganz einfach anhand der 500er Formel berechnet:

500er Regel

Belichtungsdauer = 500 / (Cropfaktor der Kamera x Brennweite)

Rechenbeispiel:

Vollformatkamera mit 16 mm Brennweite :
500/(1×16 mm)=31,25 sec Belichtungszeit maximal

APSC Kamera / Cropfaktor 1,6 mit 16 mm Brennweite:
500/(1,6 x 16 mm) = 19,53 sec Belichtungszeit maximal

Für Sternspuren (Startrails) kannst du wahlweise 30 Minuten und länger belichten, oder aber über einen langen Zeitraum sehr viele Einzelbilder erzeugen, die du später am PC miteinander verrechnest. Diesem Thema werde ich mich bald in einem separaten Beitrag widmen.

Bilder verrechnen

Ein Zug links ...
... ein Zug rechts
... ergibt zusammen im Photoshop zwei Züge

Rücksicht auf andere nehmen

Und noch ein paar Worte zum Schluss bezüglich Fairness und Rücksichtnahme:

Stell dir vor du planst deine Nachtaufnahme bis ins Detail und bist schon weit vor Sonnenuntergang vor Ort um dein Motiv noch ohne Schwierigkeiten scharf stellen zu können. Da stehst du nun und wartest noch eine volle Stunde bis die Sonne untergeht und noch eine weitere Stunde bis die Blaue Stunde vorbei ist. Du kauerst in deinem Campingstuhl solange, bis alles Restlicht am Horizont verschwunden ist und du endlich anfangen kannst. Freudig beginnst du mit der Langzeitbelichtung, hast vielleicht schon die ersten 60 Aufnahmen für deine Startrails im Kasten ….. und dann kommt ER:

DEIN Fotokumpel. Der, welcher es vor Sonnenuntergang nicht mehr geschafft hat vor Ort zu sein. In der Dunkelheit blind wie ein Maulwurf, trampelt er sich mit rot blinkender Stirn- und 1000 Lumen starker Taschenlampe in der Hand durch dein Bild und versaut dir komplett die Aufnahmen der letzten 30 Minuten … NA HERZLICHEN DANK !

Sei nicht wie er 😊. Für dich gilt: Taschenlampen und hellerleuchtete Smartphonedisplays vor, neben und unmittelbar hinter der Kamera bleiben bitte aus ! Wenn du dein eigenes Bild unbedingt versemmeln willst – gerne. Aber bitte nicht das von anderen Fotografen. Was dabei entstehen kann siehst du hier:

Da kommt er ja - mit Taschenlampe ..... Das willst du nicht in deinen Bilder haben - und andere auch nicht 🙂

Ich hoffe der Beitrag hat dir ein paar Fragen beantworten können. Zu Spezialthemen wie Sternenfotografie, HDR Techniken und Einsatz verschiedener ND Filter oder Effekte bei der Langzeitbelichtung sind bereits Beiträge geplant.

Hast du noch Fragen dann zögere nicht und nutze die Kommentarfunktion. Ich helfe dir gerne weiter.

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